Matthew Logan Vasquez – Nochtspeicher

Einer unserer liebsten Künstler war mal wieder in der Stadt, auch wenn er nur eine schlappe halbe Stunde vor Israel Nash spielte. Allerdings hat der Delta Spirit – Kopf schon länger nicht mehr solo die Akustikgitarre benutzt, sondern war mit seinen beiden Alben eher rockig und mit E-Gitarre unterwegs, aber diesmal hat er ein fantastisch-melancholisches Set gespielt, das gespickt war mit Songs aus seinem dritten Solo-Album, welches im Februar über das kanadische Label Dine Alone erscheinen wird.

Neben ‚Poor Kids‘ konnte vor allem die an Traurigkeit kaum zu überbietende Ballade ‚Oslo‘ überzeugen, handelt sie doch davon, wie glücklich MLV mit seiner Frau und seinem Sohn in Austin war und wie wenig er vor allem anfangs mit der norwegischen Heimatstadt seiner Frau anfangen konnte. Dazu gesellen sich dann noch Todes- und Krankheitsfälle, was das Einleben in diesem eher kalten Land nicht so einfach macht.

Natürlich spielte MLV auch Songs seiner anderen beiden Solo-Alben sowie den Middle Brothers – Song ‚Blue Eyes‘, der mich in Erinnerungen schwelgen ließ, denn dieses geniale Projekt, bestehend aus Taylor Goldsmith (Dawes), John McCauley III (Deer Tick) und eben MLV, hat hier offiziell nie das Licht der Welt erblickt und nun auch schon acht Jahre auf dem Buckel.

Selten habe ich in 30 Minuten eine derartige Wonne erlebt und dabei ist es recht egal, ob MLV akustisch oder rockig kommt, denn seine Ausstrahlung reißt einfach mit.

Ich bin seit 1994 im "Music Business" tätig, d.h. habe nunmehr die Hälfte meines Lebens in eben dieser Branche verbracht. Natürlich habe ich in dieser Zeit viele Menschen kennen-, hassen- und lieben gelernt und viele haben dieses Business verlassen. Ich für meinen Teil möchte das niemals tun, denn auch wenn ich mich als Indie-Label-Betreiber von DevilDuck Records sehr häufig frage, ob das alles so Sinn macht, rede ich mir dann ein, dass es doch nichts schöneres geben kann als Künstler, deren Musik ich liebe, unter die Karrierearme zu greifen. Angefangen habe ich als Promoter (Radio & Presse) bei Public Propaganda, bevor es dann zu einem kurzen Gastspiel bei "edel" ging, wo der Versuch ein Rock-Department aufzubauen, recht kläglich scheiterte. Es folgte Warner Music, wo ich 7 Jahre ziemlich viel Spaß hatte und mich in den letzten Jahren "Head of Rock/Alternative" nennen durfte. Nun betreibe ich seit knapp 15 Jahren mein eigenes Label, bin seit mehr als 12 Jahren als Dozent für "Music Business" tätig und habe in dieser Zeit auch noch ein paar andere Sachen gemacht...

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